Weinheimer Nachrichten vom: 21.12.2010
Jugendarbeit ohne Wiese unmöglich
Leutershausen. Der neue Pfadfindervorstand mit Dorothee Turda, Mira Götz, Sebastian Cornish und Alexander Schäfer wundert sich und fühlt sich ein wenig überrumpelt. Der Vorschlag bei den Haushaltsberatungen Ende November kam für sie doch überraschend. "Mit uns hat im Vorfeld niemand gesprochen", so Dorothee Turda im Gespräch mit den Weinheimer Nachrichten.
Wie berichtet, hatte die CDU-Fraktion bei den Haushaltsberatungen vorgeschlagen, einen Teil der Wiese (knapp 600 Quadratmeter) hinter dem Pfadfinderheim in der Ladenburger Straße 2011 zu verkaufen.
Die über 3000 Quadratmeter große Wiese gehört der Gemeinde, während beim Pfadfinderheim Erbpacht besteht. Mit den Einnahmen wollte die CDU den Fahrradweg westlich des Gewerbeparks für 100 000 Euro errichten sowie die Straßenbeleuchtung an der Leutershausener Straße zwischen der "Oberen Bergstraße" und dem Friedhof Großsachsen erstellen. Grüne Liste Hirschberg, Freie Wähler und SPD reagierten bei den Haushaltsberatungen prompt und lehnten ab, weil die Pfadfinder wichtige Nachwuchsarbeit leisten würden.
Dennoch wiederholte CDU-Gemeinderat Ferdinand
Graf von Wiser bei der Haushaltsverabschiedung vergangene Woche die Überlegungen
der Christdemokraten: "Mit dem Antrag auf Verkauf einer Teilfläche
des Grundstücks Ladenburger Straße/Karlsruher Straße zur Deckung
von Finanzierungserfordernissen im Haushalt wollten wir nicht den Aktionsradius
uns wichtiger Jugendorganisationen, wie hier den Pfadfindern, einschränken.
Vielmehr wollen wir den Blick auf ungenutzte Vermögenswerte lenken, die
die Einnahmenseite unseres Haushalts helfen können zu verbessern."
60 Kinder werden betreut
Seit die Pfadfinder St. Georg Mitte der 70er-Jahre ihr Heim gebaut haben, betreuen sie auch die Wiese. Sie haben Hecken angelegt, Bäume gepflanzt sowie ein Rondell errichtet. Im Sommer gehen die Pfadis mit ihren Gruppen nach draußen, um dort zu spielen. Zudem findet ein Teil der Veranstaltungen, wie etwa das jährliche Georgsfest, auf dieser Wiese statt. Vom Verkauf der Gemeindewiese zur Verbesserung der Haushaltssituation sei bislang noch nie die Rede gewesen, sagen die Pfadis. "Diese Wiese ist Bestandteil unserer Arbeit, insbesondere unserer Jugendarbeit", betont Mira Götz. Würde der Verein ein Teil der Gemeindewiese verlieren, würde dies laut Vorstand Schäfer ein eingeschränktes Angebot für die Jugendlichen bedeuten. "Die Gemeinde will Jugendarbeit und wir machen das. Und unsere Jugendarbeit ist ohne Wiese nicht möglich", bringt es Turda auf den Punkt. Schließlich kommen die Kinder, gerade weil die Pfadis eine solche Freifläche besitzen. "Wir werden dafür geschätzt", fügt Cornish hinzu.
Derzeit betreuen die Pfadfinder pro Woche 60 Kinder. Diese teilen sich in die verschiedenen Gruppen auf. Die Jüngsten sind sieben bis zehn Jahre alt und heißen Wölflinge. Die Jufis sind zehn bis 13 Jahre und die Pfadis 13 bis 16 Jahre alt.
Mit den 15 Leitern kommen die Pfadfinder St. Georg auf rund 80 aktive Mitglieder. Der vierköpfige Pfadfindervorstand will jetzt erst einmal eitere Schritte der Gemeinde abwarten.
Im nächsten Jahr, so heißt es, will sich die Verwaltung und der Gemeinderat generell über freiwerdende Flächen in den beiden Ortsteilen unterhalten. "Wir werden daher jetzt nichts unternehmen. Allerdings beschäftigt uns die Sache schon", sagt Götz. hr